Eine uralte indische Praxis? Von wegen. Gurus, Nazis und Bodybuilder formten das Yoga, das wir heute kennen.
Eine hagere Frau betritt eine Bühne. Sie geht auf eine weiße Yogamatte zu, auf der
Leinwand hinter ihr wird ihr Foto eingeblendet, dazu ihr Name, Marcia Hetrick, und die US-amerikanische Flagge. Vor den Stars and Stripes verbiegt sie sich lächelnd in sechs anspruchsvolle Yogaposen, gelegentlich quittiert von Jubel aus dem Publikum. Für ihre Leistung bekommt sie 45.350 Punkte. Am 6. April 2025 gewinnt sie damit die Weltmeisterschaft im Yoga, ausgetragen in Cyberjaya, Malaysia.
Eine Weltmeisterschaft mit Punkten, Medaillen und Konkurrenzkampf ? In den Augen vieler Purist:innen hat das nichts mit Yoga zu tun. »Yoga ist nichts, was man beurteilen, kritisieren oder loben sollte«, schreibt etwa die Yogalehrerin Kristal Cuevas. »Ich sage, das überlassen wir den Bodybuildern und Schönheitsköniginnen.« Allerdings: Diese Welten lassen sich bei genauer Betrachtung gar nicht so scharf trennen.
Yoga, das sei die »Harmonie zwischen Geist und Körper« und die »Vereinigung des individuellen mit dem universellen Bewusstsein«, schreibt Ishwar Basavaraddi, Direktor des Morarji Desai National Institute of Yoga in Neu-Delhi. Ihm zufolge ist Yoga Indiens »unsterbliches kulturelles Erbe«, dessen Ursprünge bis ins Jahr 2.700 v. Chr. zurückreichen. [...]
