Gekommen, um zu bleiben

  

Outdoor-Kleidung, Bratpfannen und Shampoo: Kein Giftstoff ist so verbreitet wie PFAS – und so schwer wieder loszuwerden. Nämlich gar nicht.


Die Feinde

 

Das Gemeine an ihnen ist, dass man sie nicht sehen kann. So konnten sie sich heimlich überall einnisten, wirklich überall. Sie schwimmen in jedem Tropfen unseres Blutes, das heißt, jeder Herzschlag ist ein Herzschlag mit ihnen. PFAS. Die Abkürzung steht für per- und polyfluorierte Chemikalien, und die sind nicht nur in unserem Blut, sondern auch im Boden, in den Pflanzen, im Grundwasser, im Meeresschaum an deutschen Küsten, im arktischen Eis, in Wüstenoasen in New Mexico, in Bären, Delfinen, Tigern, am höchsten Punkt der Welt auf dem Mount Everest und am tiefsten Punkt im Marianengraben – ja, sie regnen mit jedem Regentropfen auf uns nieder.

 

Da sind sie natürlich nicht von allein hingekommen. Die PFAS-Industrie hat sie unbekümmert verbreitet und auch all jene Industrien, die die Chemikalien in ihren Produkten verwenden. Und das sind richtig viele. Fangen wir mal von vorne an: Erfunden wurden die ersten PFAS in den Dreißigerjahren, und zwar zufällig. Der US-Chemiekonzern DuPont machte daraus 1945 dann den bis heute bekanntesten Stoff aus der PFAS-Familie: Teflon, eine wasser-, fett- und schmutzabweisende Wunderwaffe. In den folgenden Jahrzehnten geriet die Industrie in eine Art PFAS-Rausch: Sie beschichtete Pfannen, Brillen, Tennisschläger, Schuhe, Jacken (unter dem Namen Goretex), Tischtücher, Teppiche, Papier und Pizzakartons, mischte sie in Feuerlöschmittel, Skiwachs, Kühlschrankgase, Metall- und Kunststoffoberflächen, Halbleiter, Shampoos, Gesichtscremes, Make-up-Puder, Mascara und noch vieles mehr. „Super Stay“, „Waterproof “, „Antihaft“ sind ihre Werbeversprechen.

 

Mittlerweile gibt es so viele PFAS, dass niemand weiß, wie viele genau. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) listet rund 4.700 Stoffe auf, die US-Umweltbehörde mehr als 12.000 und die Datenbank PubChem sogar mehr als sechs Millionen. Die letzte Zahl sei aber eher als „theoretische Möglichkeit“ zu verstehen, schreibt das deutsche Umweltbundesamt dazu. Aha.

 

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DUMMY 2025

ILLUSTRATION Kirstin Kassen