Affenliebe

  

In „King Kong" verguckt sich ein Gorilla in eine junge Frau und versucht, sie zu entführen. Zu verrückt, um wahr zu sein? Von wegen. Die Tierärztin Joana Amil erlebte ihren ganz eigenen Film mit einem unwahrscheinlichen Happy End


 

Die Spuren waren frisch. Einige abgebrochene Zweige, drei Nester mit zusammengeschobenen Blättern. Die verschwundenen Tiere mussten hier ganz in der Nähe sein, der Suchtrupp war sich sicher. Doch da hatte Rafa die Menschen längst erblickt und rannte auf sie zu.

 

01. DER DSCHUNGEL

 

Welche Erinnerung bleibt ihr von einem Tag, der beinahe ihr letzter gewesen wäre? Da war ein permanenter Geräuschpegel, niemals war es still. Das Summen der Insekten, die Schreie der Affen, das Tröten der Elefanten, die Rufe der Vögel. Ein tropischer Regenwald voll mit Leben, „der schönste Ort, an dem ich jemals war“, erinnert sie sich heute. Und dann dieser süßliche Geruch, für den ihr die Worte fehlen, der Geruch des gabunischen Dschungels.

 

Gabun liegt an der Westküste Zentralafrikas zwischen dem Kongo, Äquatorialguinea und Kamerun. Das Land ist in etwa so groß wie Großbritannien, hat aber mit rund 2,3 Millionen Menschen nur circa drei Prozent der Einwohnerzahl. Denn Gabun besteht zu etwa 85 Prozent aus tropischem Regenwald. Es gehört den Tieren, nicht den Menschen.

 

 

In den Wäldern leben die Westlichen Flachlandgorillas, doch sie sind – wie auch die Östlichen Flachlandgorillas und die Cross-River-Gorillas – vom Aussterben bedroht. Die Berggorillas gelten „nur“ als stark gefährdet. Alle diese A!enarten werden von den Menschen gejagt, um die Tiere zu verkaufen, zu essen oder Medizin aus ihnen zu machen. Zurück bleiben dann A!enwaisen ohne Eltern. Und die waren es, denen die 31-jährige Portugiesin Joana Amil helfen wollte. Damals im Jahr 2018. Als Tierärztin hatte sie bislang Lissabonner Hunde und Katzen behandelt, Erfahrung mit Luchsen in der Algarve und mit Löwen in Mosambik gesammelt. „Das mit den Löwen war mir zu viel Adrenalin“, sagt sie. „Also entschied ich mich für Primaten – ohne zu ahnen, was mich erwarten würde.“

 

[...]

DUMMY 2025